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Sehr geehrte Damen und Herren,
was für ein Morgen: draußen weißer Nebel und drinnen November Rain. In einem der teuersten Musikvideos aller Zeiten überlagern sich Auflehnung und Ausgelassenheit, Konvention und Tragik, das Klavier von Axl Rose (natürlich ein Anagram von Oral Sex) mit den Soli von Slash … und eine Hochzeit in Weiß. Der 11-Freunde-Redakteur Andreas Bock hat Guns N’ Roses einmal sehr persönlich in der ZEIT portraitiert: »Die Band war für viele Mittelstandskinder, die Ende der siebziger Jahre geboren waren, die erste Ausfahrt aus ihrem wohltemperierten Leben. Sie öffnete einer ganzen Generation, die aufgewachsen war mit Songs von Modern Talking und Ansprachen von Helmut Kohl, die Hintertür zu unbekannten Subkulturen und neuen Wahrheiten. Sie berichtete vom Leben und vor allem vom Sterben.« Echter November eben, schon gerade an einem Freitag, dem dreizehnten. Die schon erwähnte Hochzeit in Weiß – in einem Kleid als Symbol für Unschuld und Reinheit – ist eigentlich neumodisches Zeug, erst mit der so gar nicht unschuldigen britischen Königin Victoria wurde 1840 bei ihrer Heirat mit Albert aus dem bis dahin zumeist getragenen romantischen Rot ein reines Weiß.
Symbolträchtig – im Bezug zu den Suffragetten, der Frauenbewegung Anfang des 20. Jahrhunderts in Großbritannien und den USA – war auch der weiße Anzug, den Kamala Harris bei ihrer Siegesrede getragen hat. Weiß ist allerdings nicht nur die Farbe der Perfektion und Gottesähnlichkeit, sondern auch der Leichtigkeit – worauf der Farbforscher Axel Buether in seinem Buch Die geheimnisvolle Macht der Farben hinweist: Bei Versuchen mit Probanden wurden weiß gefärbte Kisten etwa als deutlich leichter empfunden als dunkel angestrichene, obwohl das Gleiche drin war. Eine neue Leichtigkeit, eine neue Gelassenheit im Weißen Haus könnte eigentlich nicht schaden, denke ich ...
Womit wir bei Kenya Hara wären, der in dieser 8daw-Ausgabe noch einmal Erwähnung findet: »Je enger unsere Beziehung zu Weiß wird, desto leuchtender wird unsere Welt und desto intensiver werden die Schatten.« Die Nichtfarbe Weiß steht bei ihm für Möglichkeit – und macht so einen ganz großen Bogen auf zu einer Umarmung der Leere jenseits jeglichen Schwarz-Weiß-Denkens – oder, anders gesagt, macht so richtig Lust auf Zukunft. Können wir doch gerade alle gut gebrauchen, oder? Kraftvolle Grüße zu einem Wochenende mit ganz viel Weiß! Boris Kochan
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