ei8ht days
a week – Streifzüge durch den Wandel
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mit Boris Kochan und Freunden am 29.
Mai 2022
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Sehr
geehrte Damen und Herren,
im Unterschied
steckt erstaunliches Potential: Der Journalist und Autor Wolf Lotter hat ihm
gleich ein
ganzes Buch gewidmet! Natürlich steht der Unterschied auch für Ab- und
Ausgrenzung. Aber Unterschiede bedeuten genauso »Diversität, Vielfalt,
Divergenz, Unterscheidungsfähigkeit, Multikulturalität, Auswahl,
Alternative, Handlungsoption und vieles mehr. Unterschiede sind, so Lotters
These, die entscheidende Kraft, die Kulturen entstehen lässt«.
Vielfalt zu
erhalten und zu befördern ist ein besonderes Anliegen des GRANSHAN Projektes, das sich
der Entwicklung und Anwendung von nicht-lateinischen Schriften verschrieben
hat – Schrift fördert globale Kommunikation, stärkt Gemeinschaften und
schafft Identität. Ohne Verschriftlichung gäbe es weder dokumentierte
Vergangenheit … noch greifbare Zukunft. Und die Verständigung nur im
Mündlichen ist – gerade, wenn es um verschiedene Sprachen geht – extrem
aufwändig. Warum nur, werden in YouTube mehr und mehr Videos untertitelt –
zum Teil in erstaunlich vielen Sprachen?
Wie wäre es, wenn
wir Schrift als besonders erhaltenswertes Kulturgut anerkennen und sie in
all ihrer Vielfalt vom Thailändischen über Devanagari und Gurmukhi bis zum
Arabischen zu einem internationalen Living Human Treasure befördern?
Diese ursprünglich aus Japan stammende Idee will Musealisierung verhindern –
in dem ausgewählte Meister das Wissen und die ganz praktischen Fähigkeiten
von Generation zu Generation weitergeben. Das Ausstellen von kulturellen
Gegenständen (oder Schriften) aller Art ist nicht besonders zielführend …
wenn es darum geht, sich der Wurzeln des eigenen Handelns zu vergewissern.
Ein
Heidelberger Tiegel beispielsweise ist zwar auch ohne jede Nutzung ein
äußerst ästhetisches Objekt. Aber eine theoretische Beschäftigung wird wenig
zum Verständnis beitragen, woher unsere Art des Schriftlichen kommt, warum
Buchstaben so aussehen, wie sie aussehen. Vielfalt braucht die Möglichkeit,
Unterschiede zu erkennen und zu verstehen. Und so das Unverwechselbare, das
Erkennbare wichtig zu machen – denn nur so wird Zusammenleben auf Augenhöhe
möglich.
Herzlich Boris Kochan
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Ursprünglich wollten wir
diese 8daw-Ausgabe bereits vergangene Woche während der GRANSHAN Conference Signs
of the times veröffentlichen – uns ging es aber wie dem 8daw-Leser
und Berichterstatter für die Typographische Gesellschaft München (tgm), Michael
Lang: Die Tage waren »sowas (!) von international und so dicht an der Idee einer
freundschaftlichen, weltweiten Familie – unter Schriftgestaltern würde es
anscheinend funktionieren.« Da war äußerst lebendiger Austausch – und kein Platz
fürs Schreiben. Dafür ist der Bericht zur Konferenz jetzt eine
8daw-Doppelausgabe geworden – gerade richtig für eine sonntägliche Lektüre mit
Zeit.
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Dieser erste
Ton klingt wie aus dem Mund einer Sopranistin – mehr nach menschlicher
Stimme als nach Instrument: die japanische Bambusflöte Shakuhachi. Im 8.
Jahrhundert in China entwickelt, wanderte die Flöte schließlich in die
japanische Musik. Für die Notation der Shakuhachi-Musik hat jede Schule
ihre eigene Schreibweise entwickelt, wobei japanische
Silbenzeichen die Tonlage kennzeichnen, während besondere Linienformen die
Längen, Oktaven und Artikulationen wiedergeben.
Seit er neun Jahre
ist, verschmilzt Hōzan Yamamoto mehr und mehr mit diesem faszinierenden
Klangkörper, der so eigenwillig wie alt ist. In hingebungsvoller Arbeit hat er
seither sein Spiel immer weiter perfektioniert. Yamamoto gründet das Trio
Shakuhachi Sanbon Kai und spielt unzählige Platten ein, unter anderem
Masters of Zen: Shakuhachi & Organ mit Wolfgang
Mitterer an der Orgel. Yamamoto steht der Hozan-kai
Shakuhachi-Zunft vor, wohl auch, weil er wie kein anderer die
Möglichkeiten des Shakuhachi-Spiels auslotet und erweitert. In Japan wurde er
für sein Engagement mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, etwa mit dem Odaka
Award für sein Concerto für Shakuhachi und Orchester im Jahr 1977 und 2002
als Lebender Nationalschatz.
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Bin
ich selbst das Tier, das wilde Tier, der Bison auf rauer Felswand? Ist’s ein
Zauberspruch? Eine Hilfestellung für meine Brüder und Schwestern bei der
lebensnotwendigen Jagd? Erst 1971 wurden die prähistorischen Felszeichnungen von
Bangudae im südöstlichen Teil der koreanischen Halbinsel bei Ulsan entdeckt:
Wale, Meeresgetier, Schildkröten, Schweine, Waffen, Walfangszenen, rund 300
Figuren auf einer Fläche von etwa zehn mal drei Metern. Ankerplatz in einer
Zeit, weit vor unserer Zeitrechnung. Eine Verwurzelung, die ins Heute spricht.
Sprache, Zeichen, Schrift. Sie verbinden räumliche und kulturelle Entfernungen,
Vergangenheit und Zukunft.
Anlässlich des
50. Jahrestages der Entdeckung der Bangudae-Felszeichnungen haben
koreanische Designer·innen die eigene Vorstellung von
der Bedeutung der Petroglyphen visualisiert und in Plakate gefasst. Als
Teil des jährlichen Ulsan Hangeul Hanmadang Arts Festival fokussieren die
Poster die identitätsbildenden Werte des koreanischen Alphabets Hangeul.
Der Typograf und Design-Lehrer Chang Sik Kim hat die Plakatausstellung
anlässlich der GRANSHAN Conference Signs
of the times im Rahmen der Designwoche
MCBW nach München gebracht.
Ich sehe die
kalligrafischen, momenthaften, konstruierten, wuchtigen und zarten Plakate,
deren Schrift und Sprache ich nicht verstehe. Doch weiß ich zuversichtlich, dass
der Bison, den ich in Felsen kratze, mich nicht töten wird. [gw]
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Sapientissima
arborum, den Weisesten aller Bäume, nannte Plinius den
Maulbeerbaum, weil er seine Knospen erst entfaltet, wenn kein Frost mehr
droht. Und taoistische Priester verarbeiteten seine Asche zu Pillen der
Unsterblichkeit. Deren Wirkung auf den Menschen bleibt weiterhin
unbestätigt, doch ein wenig Unsterblichkeit schenkt die Bastschicht der
mystischen Pflanze einem kostbaren Werkstoff, der noch heute in Korea und Japan
aus ihr geschaffen wird: ein Papier,
das sich durch Eleganz, Weichheit, Dicke und Saugfähigkeit auszeichnet. Dieses
Hosho-Papier wurde bereits vor Jahrhunderten hergestellt, um mit
einem Siegel versehen die Befehle des Shoguns weiterzutragen.
Seine Qualität
prädestiniert es für mehrfarbige Holzschnitte, da es sich beim Trocknen nicht
zusammenzieht und so die Passermarken der einzelnen Druckstöcke ihren Stand
behalten. Auch veredelt wohl die Weisheit seiner Quelle feinsinnige
Kalligrafiearbeiten, die gern darauf angefertigt werden, während für die
Unsterblichkeit Menschen eben selbst sorgen: wie Ichibē
Iwano IX., der die Kunst des Handschöpfens dieser besonderen
Papierart mit Liebe und offensichtlich der Weisheit des Maulbeerbaums pflegt.
Vor 20 Jahren wurde er – wie vor ihm sein Vater – als Lebender Nationalschatz
für die Herstellung von Japanpapier ausgezeichnet und mit dem Orden des
heiligen Schatzes geehrt.
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Körper
rennen, stehen, kugeln, begegnen sich auf Schreiblinien. Rhythmen pulsieren wie
Auslassungspunkte – genauso auch als Kommata und Ausrufezeichen – durch ein
lebendiges Alphabet. Die ganze Bühne ein gigantisches Buch … Mensch gewordene
Schrift oder Schrift gewordene Menschen? Solche Fragen zu provozieren, das ist
ganz Peter Biľak.
Weshalb er sehr
bewusst nicht nur als (einer der weltweit renommiertesten) Type Designer tätig
ist, sondern vor allem und immer wieder mit Menschen arbeitet. In enger
Zusammenarbeit mit Choreografen prägt er durch seine szenografischen Entwürfe Inszenierungen wie Lukas Timulaks
Body & Language. Verlässlich denkt der gebürtige Slowake dabei die
Dinge von Grund auf neu – und zwar immer vom Menschen, nein, von der
Gemeinschaft aus.
Konzentriert
hat er sich ursprünglich in seiner schriftgestalterischen Arbeit auf lateinische
Schriften, später dann auch auf Russisch, Griechisch, Arabisch, Thai und die
indischen Schriftwelten. Mittlerweile widmet er sich mit seinem Syllabics
Projekt auch der Wiederbelebung und Bewahrung indigener Sprachen. Es bedarf
akribischer Forschungsarbeit und einer ganz großen Nähe, damit eine
Schrift genau so entwickelt wird, dass sie den Bedürfnisse der Nutzer·innen
nicht nur gerecht wird, sondern ihre ureigene Gruppenidentität spiegelt. Jedes
neue Zeichen ist auch ein Symbol für einen Laut. Und damit für Einatmen,
Aushauchen, Modulieren – ur-individuelle Ausdrucksweise von Lebendigkeit,
Stimmung, Emotion. Der Typograf als Tiefenpsychologe? Als
Gesellschaftswissenschaftler?
Zumindest lässt sich
jetzt erahnen, wie sich die eingangs gestellte Frage beantworten lässt: Im
Zusammenspiel können Menschen Schrift verkörpern. Und Schrift zugleich eine
ganze Gesellschaft. [sib]
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Karatsumono zu schaffen,
wie die typischen Töpferwaren aus Karatsu heißen, die im westlichen Japan zum
Inbegriff für Keramik überhaupt geworden sind, hat ganz viel mit der
Familiengeschichte der Nakazatos zu tun: Auf der Drehscheibe wächst das
elastische Material gelenkt von den Fingern des Töpfers, bis es als Schale aus
seinen Händen fließt. Genauso scheint Muan Nakazato, ein Lebender
Nationalschatz, das 400 Jahre alte Kunsthandwerk an seine Nachfahren
weitergegeben zu haben: Wissen und Fähigkeit, die aus ihm herausfließen und sich
in die nächste Generation ergießen. Kein Beruf wie jeder andere, sondern eine
Leidenschaft. Genau das hat die Familie Nakazato zur bedeutendsten
Töpferfamilie in Karatsu gemacht, einem Keramik produzierenden Bezirk auf der
Insel Kyusyu. Der kleine Dokumentarfilm zeigt Muan
Nakazatos Sohn Takashi, den vielleicht besten Töpfer Japans, unter dessen
Händen sich eine ganz andere Welt dreht …
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Schmeckt
eine Tomate, die Paradeiser heißt, freundlicher? Liegts am Klima? Am
Erntezeitpunkt? An der kleinen Steinmauer, die die Pflanzen vor Windböen
schützt? »In der Natur ist alles mit allem verbunden; alles durchkreuzt sich,
alles wechselt mit allem, alles ändert sich, eines in das andere.« Durchaus
ähnlich diesem schönen Satz des großen Dichters der Aufklärung, Gotthold Ephraim
Lessing, weiß auch Erich Stekovics,
der Kaiser der Paradeiser, von großer Vielfalt zu erzählen.
Dieser lebendige Reichtum, dieses Durchkreuzen und Vermengen, das Verbinden und
sich kontinuierlich Ändern findet sich auch in menschgemachten Zeichen ...
In
zahlreichen, vor allem ost- und südslawischen Sprachen etwa Russisch, Ukrainisch
oder Belarussisch, Bulgarisch, Serbisch oder Mazedonisch, findet die kyrillische
Schrift Anwendung. Aber auch in Sibirien, dem nördlichen Kaukasus oder in
Zentralasien wird mit kyrillischen Zeichen geschrieben. Selbst einige
Turksprachen und das mit dem Persischen verwandte Tadschikisch, Mongolisch oder
der chinesische Dialekt Dunganisch verwenden das kyrillische Alphabet. Bei
dieser Bandbreite überrascht es wenig, dass es nicht das eine kyrillische
Alphabet oder die überall gleiche Ausprägung von kyrillischen Buchstaben gibt.
Tetiana Ivanenko,
Dozentin an der Akademie für Design und Kunst in Charkiw, hat sich in
ihrem Vortrag bei der GRANSHAN Conference Signs of the times mit den
Eigenheiten des ukrainischen Kyrillisch beschäftigt: »Heute kann
niemand sagen, wie sich das kyrillische Alphabet entwickelt hätte, wenn nicht
die Reformen Peters I. gewaltsam eingegriffen hätten.« So ist das heutige
ukrainische Alphabet – bis auf einige wenige Buchstaben – eine exakte Kopie des
modernen russisch-kyrillischen Alphabets. »Ukrainische Schriftgestalter suchen
mittlerweile nach der ukrainischen Färbung ihrer Schrift«, führt Ivanenko aus,
»sie bringen das Schriftdesign auf ein neues Niveau und stärken gleichzeitig den
Identifikationsraum für unser eigenes kulturelles Erbe.« Der von ihr gegründete
internationale
studentische Schriftwettbewerb Pangram will die Kunst der Schrift im
Kulturraum der Ukraine und der Welt fördern. Zugelassen sind aber nicht nur
kyrillische, sondern auch lateinische und andere Schriftarten: der Vielfalt
Raum! [gw]
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Auf einer Treppe, die
ein Tuch mit leuchtendem Rot überzieht, sind streng hierarchisch in Kimonos
gehüllte Puppen angeordnet: Kaiser, Kaiserin, Dienerinnen, Hofdamen und Musiker
in ihrer Hofkleidung mit typischen Accessoires und winzigem Mobiliar. Diese
Miniaturwelt, die man in Japan jährlich vor dem Hina-Matsuri,
dem Mädchenfest, inszeniert, geht auf einen Schutzbrauch aus der Edo-Zeit zurück
– die Puppen sollen böse Geister in ihrem Körper einschließen. Meist werden sie
aus Paulownienholz angefertigt, einem leichten, aber sehr steifen Material. Kein
Wunder, dass Komao Hayashi eine andere Wahl trifft.
Komao Hayashi
erlernt die Kunst der Puppenmacherei beim 13. Kyoningyo-Puppenmeister Menya
Shōzō XII. Doch die handwerkliche Fähigkeit genügt ihm nicht. Um den Ausdruck zu
verfeinern, geht er in die Lehre des Noh-Maskenschöpfers Kitazawa Nyoi. Und
wählt schließlich für seine Puppen als Material tōso, das tonähnlich ist und
sich in seiner spielerischen Formbarkeit der Ausdruckstiefe erschließt, die
Komao Hayashi braucht. In der Ausgestaltung lässt er sich dabei von der
klassischen japanischen Literatur inspirieren, wodurch in der zutiefst
empathischen und hochkonzentrierten Umsetzung einmalige Puppen-Persönlichkeiten
entstehen. 2002 wurde Hayashi zum Lebenden Nationalschatz für
tōso-Puppen ernannt.
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Leben heißt Partei ergreifen!
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»Die
Herausforderung der Moderne besteht darin, ohne Illusionen zu leben und sich
nicht desillusionieren zu lassen«, schrieb der
italienische Philosoph Antonio Gramsci. Und weiter: »Ich bin Pessimist
aufgrund meiner Intelligenz, aber ein Optimist durch meinen Willen.« So ließe
sich auch der armenische Maler,
Grafikdesigner, Kalligraph und leidenschaftliche Lehrer Ruben Malayan
beschreiben: Ein Kosmopolit, den seine Arbeit kreuz und quer über den Globus
geführt hatte und der schließlich mit dem geschärften Blick des Weitgereisten in
seine Heimat zurückkehrte. Ein Land mit einer einzigartigen Schriftkultur und
einer tragischen Geschichte von Revolution und Korruption, von Krieg und
Genozid. 1915 ermordeten Soldaten des osmanischen Reichs hunderttausende
Armenier und davon habe sich, so Malayan, das Land bis heute nicht erholt. »Für
mich ist der Faden der Kultur genau da gerissen«, sagt Malayan, »als in Europa
(…) diese Explosion der kreativen Kräfte« stattfand, während »die
Armenier zu dieser Zeit Zwangsumsiedlung und Völkermord erlebten.« Diesen
Faden aufzunehmen, weiterzuspinnen und zu einer Erneuerung der armenischen
Kultur beizutragen, hat Malayan sich zur Aufgabe gemacht. Ein Unterfangen mit
einer hochpolitischen Dimension, denn er ist zutiefst davon überzeugt, »dass
Designer·innen Verantwortung haben und ihre Kreativität nutzen sollten, um ihre
Meinung über das, was in der Welt passiert, zu äußern«.
Zwölf Jahre ist es
her, dass Malayan nach Armenien zurückkehrte. Er erlebte die Samtene
Revolution 2018, den Krieg 2022, einen desillusionierenden Frieden,
in dem die Ziele der Revolution in weite Ferne rückten. Und er äußert sich dazu
– unbeirrbar und mutig. Schon 2001 gründete er in Holland den internationalen
und vielbeachteten Wettbewerb Armenian
Genocide of 1915 in Contemporary Graphic and Art Posters.
Später eröffnete ihm ausgerechnet seine Hinwendung zur traditionellen Kunst
der Kalligraphie neue Möglichkeiten, seine politischen Botschaften zu
artikulieren. »Schrift in ihrer reinsten Form«, wie Malayan sagt. Schrift als
individueller Ausdruck und in ihrer künstlerisch überhöhten Form als politische
Botschaft. So gewinnt in seinen zum Teil spontanen Schreibakten, die bis ins
abstrakt Zeichnerische hineinreichen, auch das geflügelte Wort vom Einspruch
des Subjekts eine neue Dimension. Malayan schrieb und zeichnete eine
Unzahl von Plakaten, die auf Demonstrationszügen in Yerewan mitgetragen wurden
und internationales Echo auslösten. Er zeichnete und malte Graffitos, die auch
unter angstvollem Zeitdruck im Bombenhagel entstanden, und er unterrichtete
unermüdlich weiter, auch wenn der Kriegslärm den improvisierten
Unterrichtsräumen bedrohlich nahe kam. »Leben heißt Partei ergreifen«, schrieb
Antonio Gramsci. Ruben Malayans Arbeit als politischer Designer ist ein
bewegendes Beispiel dafür. [um]
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In seinem Vortrag bei
der GRANSHAN Conference über Die Kunst des Schreibens: Design und
Schriftkultur im Kontext von Revolution und Krieg, erwähnte Ruben
Malayan auch den
österreichischen Schriftsteller Franz Werfel und dessen Roman Die
vierzig Tage des Musa Dagh: Darin beschreibt Werfel den heldenhaften
und letztlich erfolgreichen Widerstand von 5.000 Armeniern gegen die türkischen
Angriffe. Das packende Werk gilt als armenisches Nationalepos über den staatlich
verordneten Völkermord – und hat bis heute nichts von seiner Brisanz
verloren.MARGINAL-NARROW tablet-gothic-narrow; font-size:13.5px;line-height:20px
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Eintöniges Stakkato, von mühseligem
Quietschen unterbrochen, begleitet die rasche Bewegung der Hände, die das
Schiffchen mit dem Faden zwischen den Bahnen hin- und hertreiben, bis sich
Mikrometer für Mikrometer zu glänzender Seide verdichten in Farben, die
zerbrechlich-schön sind wie die Natur. So sieht die Arbeit von Shimura
Fukumi aus, die 1990 für ihre Verdienste um das Färben und Herstellen
von Japanseide als Lebender Nationalschatz ausgezeichnet wird. Zu
den Stoffen der Weberin – wenngleich ganz anderer Natur – zählen auch Zuihitsu,
eine traditionelle Literaturgattung, die dem Essay verwandt ist, sich dabei aber
in der Reflexion eigener Erfahrungen viel freier durch die Formensprache bewegt.
Zuihitsu bedeutet: dem Pinsel folgend. Bei Shimura Fukumi könnte es heißen: dem
Faden folgend, der bei ihr sicher ein Lebensfaden ist.
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Normalerweise fragt Helga Stenzel ihre
Community nach Titeln für ihre Komposit-Fotografien, doch bei diesem war sie
sich schon zuvor sicher: Peace. Ihre Arbeit verkauft sie bei The Art
of Fair, die Einnahmen spendet sie an Choose Love, eine
Wohltätigkeitsorganisation, die Menschen in der Ukraine mit dem Nötigsten
versorgt.
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In der 8daw-Ausgabe
BETA #13 vom 24. Juli 2020 haben wir
uns unter anderem mit dem Thema
geschlechterspezifische Schreibweise
beschäftigt. Im Ergebnis fanden wir die Empfehlung
eines Lesers für uns am geeignetsten:
»Der Mittelpunkt (MacOS: Shift+Alt+9;
Windows: Alt+0183) wird eingesetzt wie der
Asterisk *, stört jedoch deutlich weniger
den Lesefluss der Leser·innen, weil er
nicht nach Fußnoten ruft und auch keine
Textlücken reißt wie der Gender_Gap.
Im Hinblick auf Lesbarkeit und
Typografiequalität also eine bessere
Alternative, und inhaltlich – als
Multiplikationszeichen verstanden – treffend.
Oder?« Wir stellen unseren Autor·innen jedoch
frei, ob sie den Mittelpunkt oder
eine andere Form benutzen.
Alle personenbezogenen Bezeichnungen sind
jedenfalls geschlechtsneutral
zu verstehen.
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Boris Kochan und Freunden zu Themen rund um den
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